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Leander ist jetzt fünf Monate alt. Er kann noch nicht Mama sagen und noch nicht Papa und erst recht nicht Lieblingspatentante, obwohl ich mich sehr bemühe, ihr diesen wohlklingenden Begriff nahezubringen. Der Kerl vermutet deshalb, Leander sei ein bisschen langsam und hat ihr den Spitznamen Zwerg verpasst, der bei den Eltern nicht ganz so gerne gehört wird. Angeblich sei das im Hildener Raum eine Beleidigung („Eh, guck mal, der Zwerg da, voll klein, der Typ&ldquo. Ich kann das nicht beurteilen, aber Leander hört sowohl auf ihren Taufnamen als auch auf Zwerg. Anscheinend mag er den Namen. Vielleicht mag er den aber nur, weil man das Ding, das sich hinter dem Namen verbirgt, auch als Kuscheltier benutzen und in den Mund stecken kann. Leande ist zurzeit ganz groß darin, sich alles in den Mund zu stecken, was reinpasst. Gerne auch mal die eigenen Füße. Füße sind sowieso toll. Beim Frühstück hat er minutenlang an den Füßen vom Kerl rumgespielt, obwohl die nur in Socken steckten, während meine in total tolle bunte Sneakers verpackt waren. Die waren aber nicht so angesagt. Dann hat Leander entdeckt, dass der Kerl nicht ganz frisch rasiert war (vulgo: Acht-Tage-Bart), worauf erstmal alle anderen Menschen im Raum abgemeldet waren, weil der Bart so klasse war. Seitdem heißt der Kerl bei den Kindseltern nur noch Der Bart. Das nur nebenbei, weil ich ja gerne dafür angekackt werde, dass ich meinen Liebsten so schnöde Der Kerl nenne. Der Bart sage ich jetzt auch ab und zu, was dazu führt, dass der Kerl sich immer dann rasiert, um mich zu ärgern, weil ich auch so gerne an seiner Gesichtsbehaarung rumspiele.

Aber zurück zum Patenkind: Nachdem Leander durch pädagogisch wertvolles Spielzeug geschickt vom Bart abgelenkt wurde – „Und jetzt den kleinen gelben Becher in den großen roten stecken … nein, nicht den roten in den gelben … nee, das klappt wirklich nicht … du kannst das doch … das ist der Vorführeffekt … komm, wir spielen was anderes“ –, konnten wir gemütlich frühstücken. Danach habe ich das Kind auf den Schoß bekommen und durfte ewig in Leanders wahnsinnigwuscheligweichen Haaren rumpusten und seine Babyhaut beneiden küssen und seine kleinen Finger angucken, die ganz schön kratzige Fingernägel haben, und dann hab ich ihn einfach machen lassen, was er wollte, was aber nicht so gut ankam, weil sich Leander natürlich Schokoladenverpackungen in den Mund stecken wollte und Servietten und Parmaschinken und Kuchengabeln. Ich habe lautstark eine antiautoritäre Erziehung vertreten, wurde aber überstimmt und durfte stattdessen versuchen, Leander für das Wort Nein zu begeistern. Die Kindsmutter berichtete, dass dieses Wort erstmals an der Zimmerpalme geübt wurde, deren Blätter man sich auch ganz prima in den Mund stecken kann, wenn man denn unbedingt will.

Ansonsten hat Leander weiterhin die coolsten Klamotten, die ich je an Babys gesehen habe, ist längst aus meinen tollen Nikes rausgewachsen und kann schon sitzen, sich aber noch nicht wieder hinsetzen, was dazu führt, dass Mama den ganzen Tag hinter ihm her ist, weil er sich gerne hinsetzt und dann nicht weiß, wie sie wieder runterkommt. Außerdem kriegt er locker die abgerundeten Ecken der Kindersicherung von den spitzen Tischkanten ab und findet das Sperrgitter vom Wohnzimmer zur Küche total doof. Ich ebenfalls, denn ich kann da genausowenig drüberklettern. Zum nächsten Frühstück setze ich mich solidarisch mit ihm vor das Gitter und nöle und beklage den eingeschränkten Zugang zum Kühlschrank, wo der Parmaschinken liegt und vielleicht noch ein paar Schokoautos.

(Nein, ich will immer noch kein eigenes. Aber Leander) könnte ich den ganzen Tag knutschen. WERD ENDLICH ALT GENUG FÜRS KINDERKINO!)

20.7.08 14:26
 


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