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Für Leander zum ersten Geburtstag

Mein schnuffiges Patenkind ist am Donnerstag ein Jahr alt geworden. Zur Feier des Tages gab's Bauklötze (die ungefähr so aussehen), Ergänzungen zu Duplo, dieses schöne Shirt und folgenden Brief:



Lieber Leander,

heute ist dein erster Geburtstag. An den wirst du dich wahrscheinlich nicht mehr erinnern, wenn du alt genug bist, diesen Brief selber zu lesen, aber ich wette, dein Vater und deine Mutter werden dutzende von Fotos machen, auf denen du bestimmt wie immer fürchterlich niedlich aussehen wirst. Vielleicht hast du auf einem sogar mein T-Shirt an, das ich dir zu deinem Geburtstag schenke. Es ist aus Gelsenkirchen, und ich hoffe, dir gefällt es. (Und ich hoffe, ich kriege wegen des Aufdrucks keinen Ärger mit deinen Eltern.)

Vor genau 362 Tagen habe ich dich das erste Mal gesehen. Da warst du drei Tage alt. Deine Mutter war noch etwas fertig von der Geburt und dein Vater war ganz fürchterlich besorgt um dich, weil du nicht richtig essen wolltest. Das hat sich aber glücklicherweise gegeben. Ich habe mich am Anfang gar nicht getraut, dich anzufassen oder auf den Arm zu nehmen, so klein warst du und so zart. Du hast geschlafen, als ich dich besucht habe. Deine Augen waren ganz fest geschlossen, und du hast kleine Fäuste mit deinen Händchen gemacht. Ich habe dich minutenlang nur angeguckt, weil du so winzig warst und so vorsichtig geatmet hast, dass ich auch automatisch ganz vorsichtig und leise mit dir mitgeatmet habe.

Als ich dich das erste Mal auf dem Arm hatte, warst du ungefähr einen Monat alt. Deine Mutter hat dich mir in den Arm gelegt und du hast etwas überrascht ausgesehen, dass da jetzt wer anders ist als deine Eltern und deine Großeltern, aber anscheinend hat es dir in meinem Arm gefallen. Du hast mich einfach nur angeguckt, und ich habe zurückgeguckt. So lange, bis deine Eltern Witze darüber gemacht haben. Du warst ganz warm und hast nach Haut und Babypuder gerochen, und dein Atem war hörbarer als noch vor vier Wochen im Krankenhaus. Du hast noch nicht gelacht, sondern einfach nur geguckt. Ich würde gerne wissen, was du gedacht hast, als du vier Wochen alt warst. Ich hoffe, du hast Dinge gedacht wie, Hier ist es aber nett, ich werde so gut umsorgt und gefüttert und ins Bettchen gebracht. Hier gehe ich erstmal nicht wieder weg.

Ein paar Monate später konntest du schon krabbeln. Das ist ja eigentlich eine schöne Sache, aber deine Mutter hat schon ein bisschen die Zeit vermisst, als sie dich einfach irgendwo hinlegen konnte und du dich nicht vom Fleck bewegt hast, weil du erstens noch nicht wusstest, wie man sich vom Rücken auf den Bauch dreht und zweitens, wie man dann die Hände und Füße benutzt, um sich abzustoßen und über den Fußboden zu robben. Aber das hast du, wie gesagt, ziemlich schnell rausgekriegt. Du siehst aus wie eine kleine Krabbe, wenn du unterwegs bist. Dein Kopf ist hochgereckt, als ob du gucken möchtest, was es alles auf der Welt zu entdecken gibt, bevor du loskrabbelst. Deine Eltern mussten die Wohnzimmertür schließen, als du anfingst, in der Wohnung auf Entdeckungstour zu gehen, und ein Gitter vor der Küche anbringen. Als ich einmal bei euch zu Besuch war, hast du angefangen zu weinen, weil du an der geschlossenen Tür nicht weiterkamst, aber deine Mutter hat dich sofort beruhigt und dich wieder auf deine bunte Spieldecke gelegt, womit du anscheinend auch zufrieden warst.

Um deine Spieldecke beneide ich dich übrigens sehr. Außerdem hast du ein Mobile über deinem Bett hängen aus Fischen und ziemlich viel pädagogisch wertvolles Spielzeug, mit dem deine Eltern aus dir einen schlauen Jungen machen wollen. Das klappt bestimmt. Auch wenn deine erste Vorführung für die Patentante (einen kleinen Becher in einen großen stecken) nicht ganz funktioniert hat, weil du lieber den großen Becher in den kleinen stecken wolltest.

Seit ein paar Monaten kannst du sogar schon stehen, wenn du dich irgendwo hochziehen und festhalten kannst. Bei deiner Taufe im Mai konntest du dich "nur" drehen, aber gerade vor ein paar Tagen hat dein Vater mir erzählt, dass du dich inzwischen am Tisch oder an der Kommode hochziehst, stehst – und dann kurz deine Stütze loslässt und versuchst, dich auszubalancieren. Aber ganz alleine kannst du noch nicht stehen geschweige denn laufen. Wahrscheinlich sind deine Eltern auch heimlich ganz froh darüber, denn du bist schon ganz schön schnell, wenn du krabbelst. Und du hast auch ziemlich fix herausgefunden, wie man die abgerundete Kindersicherung von den spitzen Tischkanten einfach abziehen kann.

Vor ein paar Wochen waren deine Mutter und ich zum ersten Mal mit dir bei Ikea. Warum das so toll ist, wirst du später verstehen, wenn du ein großer Jung oder eine junger Mann geworden bist. Dein erstes Mal schien dich aber noch nicht wirklich zu interessieren. Du hast in deinem Sitz hoch oben auf dem Einkaufswagen gelegen und milde lächelnd dabei zugesehen, wie deine Mutter und ich stundenlang nach Teelichtern, Tischdecken und Bettwäsche gewühlt haben. Wir haben auch versucht, schöne Bettwäsche für dich zu finden, aber die mit den Dinosauriern sah irgendwie nicht so toll aus wie im Katalog, und für die giftgrüne Decke konnte ich deine Mutter nicht begeistern. Auf jeden Fall bist du nach einer guten Stunde friedlich eingeschlafen und erst im Auto wieder wachgeworden. Du lagst angeschnallt auf dem Vordersitz. Ich saß hinter dir und habe Faxen gemacht, um dich zum Lachen zu bringen, was auch funktioniert hat. Du hast im Moment noch nicht viele Zähne, und die, die du hast, sind so komisch verteilt, dass es ganz füchterlich albern aussieht, wenn du lachst, und deswegen muss ich auch lachen, wenn du lachst.

Du hast vor ein paar Monaten deine Stimmbänder entdeckt und blubberst an manchen Tagen in einer Tour vor dich hin. Es klingt noch nicht so, als wolltest du uns irgendetwas sagen, aber es macht zumindest gute Laune. Auch wenn dein Vater so gerne von dir mal "Papa" hören möchte, wenn du auf ihn zeigst und nicht, wenn du auf einen Stoffhund zeigst. Aber das kommt bestimmt noch.

Gestern hat deine Mutter dir zum ersten Mal etwas auf ihrer Gitarre vorgespielt. Du hast es gewürdigt, indem du in deine Spielzeugkiste geklettert bist und dich mit deinem Schlafsack zugedeckt hast. An deiner Höflichkeit musst du wohl noch ein bisschen arbeiten.

Lieber Leander, ich wünsche dir von Herzen alles Gute zu deinem ersten Geburtstag und hoffe, wir werden noch viele, viele weitere Geburtstage von dir feiern können. Du bist, soweit ich das beurteilen kann, ein sehr freundliches und neugieriges Kind. Und dazu siehst du auch noch herzallerliebst aus. Du bist das erste Kind, das ich kenne, das ich dauernd knutschen möchte. Und das will wirklich was heißen. Frag deine Eltern (die ich übrigens auch dauernd knutschen möchte).

Alles Liebe von deiner Patin

29.1.08 14:34


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Patenkind-Content

Leander ist jetzt fünf Monate alt. Er kann noch nicht Mama sagen und noch nicht Papa und erst recht nicht Lieblingspatentante, obwohl ich mich sehr bemühe, ihr diesen wohlklingenden Begriff nahezubringen. Der Kerl vermutet deshalb, Leander sei ein bisschen langsam und hat ihr den Spitznamen Zwerg verpasst, der bei den Eltern nicht ganz so gerne gehört wird. Angeblich sei das im Hildener Raum eine Beleidigung („Eh, guck mal, der Zwerg da, voll klein, der Typ&ldquo. Ich kann das nicht beurteilen, aber Leander hört sowohl auf ihren Taufnamen als auch auf Zwerg. Anscheinend mag er den Namen. Vielleicht mag er den aber nur, weil man das Ding, das sich hinter dem Namen verbirgt, auch als Kuscheltier benutzen und in den Mund stecken kann. Leande ist zurzeit ganz groß darin, sich alles in den Mund zu stecken, was reinpasst. Gerne auch mal die eigenen Füße. Füße sind sowieso toll. Beim Frühstück hat er minutenlang an den Füßen vom Kerl rumgespielt, obwohl die nur in Socken steckten, während meine in total tolle bunte Sneakers verpackt waren. Die waren aber nicht so angesagt. Dann hat Leander entdeckt, dass der Kerl nicht ganz frisch rasiert war (vulgo: Acht-Tage-Bart), worauf erstmal alle anderen Menschen im Raum abgemeldet waren, weil der Bart so klasse war. Seitdem heißt der Kerl bei den Kindseltern nur noch Der Bart. Das nur nebenbei, weil ich ja gerne dafür angekackt werde, dass ich meinen Liebsten so schnöde Der Kerl nenne. Der Bart sage ich jetzt auch ab und zu, was dazu führt, dass der Kerl sich immer dann rasiert, um mich zu ärgern, weil ich auch so gerne an seiner Gesichtsbehaarung rumspiele.

Aber zurück zum Patenkind: Nachdem Leander durch pädagogisch wertvolles Spielzeug geschickt vom Bart abgelenkt wurde – „Und jetzt den kleinen gelben Becher in den großen roten stecken … nein, nicht den roten in den gelben … nee, das klappt wirklich nicht … du kannst das doch … das ist der Vorführeffekt … komm, wir spielen was anderes“ –, konnten wir gemütlich frühstücken. Danach habe ich das Kind auf den Schoß bekommen und durfte ewig in Leanders wahnsinnigwuscheligweichen Haaren rumpusten und seine Babyhaut beneiden küssen und seine kleinen Finger angucken, die ganz schön kratzige Fingernägel haben, und dann hab ich ihn einfach machen lassen, was er wollte, was aber nicht so gut ankam, weil sich Leander natürlich Schokoladenverpackungen in den Mund stecken wollte und Servietten und Parmaschinken und Kuchengabeln. Ich habe lautstark eine antiautoritäre Erziehung vertreten, wurde aber überstimmt und durfte stattdessen versuchen, Leander für das Wort Nein zu begeistern. Die Kindsmutter berichtete, dass dieses Wort erstmals an der Zimmerpalme geübt wurde, deren Blätter man sich auch ganz prima in den Mund stecken kann, wenn man denn unbedingt will.

Ansonsten hat Leander weiterhin die coolsten Klamotten, die ich je an Babys gesehen habe, ist längst aus meinen tollen Nikes rausgewachsen und kann schon sitzen, sich aber noch nicht wieder hinsetzen, was dazu führt, dass Mama den ganzen Tag hinter ihm her ist, weil er sich gerne hinsetzt und dann nicht weiß, wie sie wieder runterkommt. Außerdem kriegt er locker die abgerundeten Ecken der Kindersicherung von den spitzen Tischkanten ab und findet das Sperrgitter vom Wohnzimmer zur Küche total doof. Ich ebenfalls, denn ich kann da genausowenig drüberklettern. Zum nächsten Frühstück setze ich mich solidarisch mit ihm vor das Gitter und nöle und beklage den eingeschränkten Zugang zum Kühlschrank, wo der Parmaschinken liegt und vielleicht noch ein paar Schokoautos.

(Nein, ich will immer noch kein eigenes. Aber Leander) könnte ich den ganzen Tag knutschen. WERD ENDLICH ALT GENUG FÜRS KINDERKINO!)

20.7.08 14:26


Zur Taufe

Mein Taufgeschenk an Leander war ein Taufarmband und eine Taufkette mit seinem Namen und Datum der Taufe. Außerdem steht in der Karte folgendes krakelig mit Füllfederhalter drin: "Ich erkenne, dass du alles vermagst, und nichts, das du dir vorgenommen, ist dir zu schwer. Lieber Leander, ich wünsche dir auf deinem Lebensweg stets Stärke, Zuversicht und Vertrauen. Alles Liebe."
13.5.08 14:17


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